| Das
Spielerparadies Las Vegas leidet unter der
Wirtschaftskrise
Eigentlich
galt Las Vegas seit eh und je als rezessionssicher.
Egal wie sich die Wirtschaft entwickelte,
in der Glücksspiel-Metropole im US-Bundesstaat
Nevada sprudelten die Milliarden. Seit 1970
stiegen die Einnahmen aus dem Glücksspiel
ununterbrochen, lediglich nach den Terroranschlägen
von 2001 war kurzfristig ein leichter Rückgang
zu verzeichnen. Danach ging es wieder steil
bergauf, das jährliche Wachstum betrug
mehr als zehn Prozent. Nun sieht die Sache
aber nicht mehr so rosig aus. Seit Jahresbeginn
gehen die Einnahmen aus dem Glücksspiel
ebenso zurück wie die Besucherzahlen.
Im Mai verspielten die Gäste in Las
Vegas um 15 Prozent weniger als im Vorjahresvergleich.
Die Eigentümer der zahlreichen Hotels
versuchen, den Gästeschwund mit niedrigeren
Preisen zu bekämpfen. Im zweiten Quartal
ging der durchschnittliche Zimmerpreis um
12,4 Prozent zurück.
Die
schlechte Wirtschaftslage betrifft Las Vegas
stärker als wir das bisher je erlebt
haben, sagt Dennis Forst, ein Glücksspielmarkt-Experte
der Investmentgesellschaft KeyBanc Capital
Markets. Die Ratingagentur Moody's hat in
den vergangenen Wochen mehrfach auf die
Probleme in der Spielermetropole hingewiesen:
„Las Vegas ist schlicht und einfach
nicht mehr rezessionsresistent“, sagte
deren Analystin Margaret Holloway kürzlich.
Verschlimmert werde die Lage dadurch, dass
mehrere Milliardenprojekte unmittelbar vor
der Eröffnung stehen. Das steigende
Angebot könnte die Zimmerpreise weiter
nach unten drücken und bei den Hotel-
und Casinos-Betreibern für Verluste
sorgen. Denn es wird befürchtet, dass
trotz günstiger Übernachtungskosten
die Gäste nicht mehr Geld für
Glücksspiel riskieren.
So
soll etwa das 2,3 Mrd. Dollar (1,5 Mrd.
Euro) teure Encore Casino Ressort des US-Milliardärs
Steve Wynn mit mehr als 2000 Luxussuiten
noch eröffnen. Außerdem baut
der Casinoentwickler MGM gerade einen 9,2
Mrd. Dollar teuren, aus neun Wolkenkratzern
bestehenden Komplex. Dieser soll im kommenden
Jahr eröffnet werden. Insgesamt entstehen
Hotels mit Casinos und Unterhaltungszentren
im Volumen von 30 Mrd. Dollar. Bis 2011
werden so 40.000 Hotelzimmer zu den bestehenden
140.000 dazukommen. Diese Entwicklung bereitet
nicht nur Analysten Sorge. Aktionäre
der Casinos verkaufen ihre Anteile seit
Monaten im großen Stil. Die Papiere
der größten Kasinogesellschaft
in den USA, Las Vegas Sands, haben im Jahresvergleich
knapp 70 Prozent ihres Wertes verloren.
Und auch die Aktien von MGM Mirage befinden
sich auf Talfahrt. Vor einem Jahr waren
sie noch 84 Dollar wert, derzeit ist das
Papier um weniger als 35 Dollar zu haben.
Zusätzliche
Probleme drohen Las Vegas durch die wachsende
Konkurrenz aus China. Der Kasino-Komplex
in der einstigen portugiesischen Enklave
Macao ist mittlerweile größer
als sein US-Vorbild, seit 2006 übersteigen
die Umsätze der rund 30 Kasinos jene
von Las Vegas. Das vor einem Jahr eröffnete
„Macao Venetian“ ist der größte
Glücksspielkomplex der Welt: Mit 3000
Betten ist er doppelt so groß wie
sein amerikanisches Vorbild in der Wüstenstadt
Nevadas. Dass die Zukunft des Glücksspiels
möglicherweise nicht mehr in Las Vegas,
sondern in China liegen könnte, haben
mittlerweile auch die US-Kasinobetreiber
erkannt. Das „Macao Venetian“
wurde vom US-Giganten Sheldon Adelson eröffnet.
Dieser hofft, die Verluste aus dem Geschäft
in Las Vegas auf dem aufstrebenden chinesischen
Markt wettzumachen. Und auch der Milliardär
Wynn will sich vermehrt auf China konzentrieren:
2006 eröffnete er das Wynn Macao Hotel,
in zwei Jahren soll mit dem Encore Wynn
Macao Hotel ein weiteres dazukommen.
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