| Die
Geldmaschine Las Vegas gerät ins Stottern
In
Las Vegas dreht sich alles nur das Geld.
Die Besucher wollen so viel wie möglich
davon gewinnen, die Hotel- und Casinobetreiber
versuchen, den Gästen so viel wie möglich
aus der Tasche zu ziehen. Zu diesem Zweck
haben sie Fantasiewelten kreiert, haben
Venedig und Ägypten nachgebaut, ermöglichen
Hochzeiten in Star-Trek-Kostümen, haben
alle populären Läden in ihre Casino-Komplexe
geholt, locken regelmässig grosse Stars
für mehrjährige Shows herbei –
und ja, natürlich, da sind auch noch
die Spielhallen, die Slot-Maschinen, die
Poker- und die Roulettetische.
Überall und für alles kann und
soll man Geld ausgeben in Las Vegas. Doch
seit einigen Monaten bekommt die Glitzerstadt
mitten in der Wüste zu spüren,
dass den Amerikanern das Geld nicht mehr
so locker in der Tasche sitzt. Nur den ausländischen
Touristen ist es zu verdanken, dass es nicht
noch schlimmer gekommen ist. Sie werden
vom schwachen Dollar angelockt, finden alles
wunderbar billig und konsumieren in der
Kunstwelt Vegas, was das Zeug hält.
Aber ausländische Besucher machen nur
13 Prozent der Gäste aus. Das reicht
nicht.
Hotels locken mit Freinächten
Letztes Jahr haben gut 39 Millionen Besucher
knapp 11 Milliarden Dollar verspielt. Das
war gegenüber 2006 zwar ein Zuwachs,
aber ein sehr kleiner verglichen mit den
prächtigen Vorjahren. Dazu kommen noch
mal so viele Einnahmen durch Übernachtungen,
Restaurant- und Showbesuche. Doch seit Ende
2007 läuft die Geldmaschine Las Vegas
nicht mehr rund. Sie bekommt die finanziellen
Turbulenzen der amerikanischen Wirtschaft
zu spüren. Seit Anfang Jahr sind nicht
nur die Spieleinnahmen um 4 Prozent gesunken
– der Rückgang an Besuchern hat
die Hotel-Casinos gezwungen, die Übernachtungspreise
zu senken, ja sogar Freinächte anzubieten,
um Gäste anzulocken.
Und es wird gespart. Seit Oktober haben
die Casinobetreiber mehrere hundert Angestellte
entlassen, diverse Bauprojekte für
neue Hotelkomplexe sind vorübergehend
oder ganz eingestellt worden. Für die
nächsten Jahre sollten 40 000 neue
Hotelzimmer die bestehenden 130 000 ergänzen,
finanziert mit Bankkrediten oder durch Wall-Street-Investoren.
Doch die haben kalte Füsse gekriegt,
machen sich Sorgen, dass die Spielerstadt
so viele neue Gäste gar nicht anziehen
kann.
Aktuelles Beispiel für die Krise ist
die Bankrotterklärung des Casino-Riesen
Tropicana, eines der ältesten Resorts
der Stadt. Das Unternehmen, das neben dem
Flagschiff in Vegas mehrere kleinere, regionale
Casinos betreibt, hat sich am Montag für
zahlungsunfähig erklärt. Vorerst
ist es vor den Forderungen seiner Gläubigern
geschützt und hat Zeit für Restrukturierungen,
um sich aus der Insolvenz zu retten. Gleichzeitig
kann der Betrieb trotz Zahlungsunfähigkeit
weiter laufen. «Ich sehe das wirklich
als positiven Schritt», sagte Scott
Butera, Präsident des Unternehmens.
Im übrigen sei der Cash-Flow positiv,
und der Dialog mit möglichen Geldgebern
sehr konstruktiv.
Geld nur noch zum Spielen
Der Spielbetrieb in Las Vegas galt bisher
immer als rezessionsresistent und hat frühere
wirtschaftliche Krisen in der Regel kaum
zu spüren bekommen. Ökonomen sehen
zwei Gründe, warum das diesmal anders
ist: Erstens trifft die aktuelle wirtschaftliche
Lage die Konsumenten weit stärker als
sonst. Gestiegene Preise für Basisprodukte
wie Lebensmittel oder Benzin sorgen dafür,
dass sie weniger fürs Vergnügen
ausgeben können. Zudem haben sich die
Hotel-Casinos in ihrem Versuch, über
immer mehr Kanäle Geld einzunehmen,
zu stark diversifiziert. Früher hatten
sie ihre Einnahmen vor allem dem Casinobetrieb
zu verdanken, inzwischen jedoch sind Restaurants
und Läden praktisch genauso wichtig
geworden. Und bei denen macht sich die reduzierte
Ausgabefreudigkeit der Gäst
|