| Das
Hote Mirage in Las Vegas entlässt 440
Mitarbeiter
In
der Welthauptstadt des Überflusses
brechen magere Zeiten an. Mit irrwitzigen
Hotelbauten, neuen Mega-Casinos und dem
funkelnden Lichtermeer am Protz-Boulevard
"Strip" scheint die US-Glücksspielmetropole
Las Vegas erst einmal abgeschlossen zu haben.
Wirtschaftsflaute und Rezessionsfurcht lassen
die Geldströme versiegen.
Jetzt
bleiben Touristen aus, Hotels entlassen
Mitarbeiter, Bauprojekte werden aufgeschoben,
und an der Börse stürzen die Casino-Aktien
ab. Der Konjunktur-Schock hat die Glitzerstadt
unvorbereitet getroffen. Die alte Faustregel,
wonach Glücksspiel eine rezessionssichere
Branche sei, erweist sich als Irrglaube.
Denn auch bei den Zockern sitzt das Geld
nicht mehr so locker wie früher. Im
März gingen die Einnahmen aus dem Glücksspiel
um fast fünf Prozent zurück.
Dabei
hatte diese Geldquelle seit 1970 Jahr für
Jahr stärker gesprudelt und nur nach
den Terroranschlägen vom 11. September
2001 um ein paar Promille nachgelassen.
Inzwischen hat Baulöwe Donald Trump
den Neubau eines Hotelturms auf Eis gelegt.
Und das Riesen-Hotel "Mirage"
hat 440 Mitarbeiter der mittleren Managerebene
entlassen.
"Diese
Konjunkturkrise unterscheidet sich von früheren",
sagt der in Las Vegas ansässige Glücksspielanalyst
Bill Lerner von der Deutschen Bank. In der
Vergangenheit habe Las Vegas Rezessionen
praktisch ohne Einbußen überstanden
- wohl auch weil Zocker gerade in schlechten
Zeiten auf Glück im Spiel hofften.
"Inzwischen hat Las Vegas aber seine
Angebote jenseits des Glücksspiels
ausgebaut, viele Besucher sind keine Spieler",
sagt Lerner. Nur noch 40 Prozent der Einnahmen
werden durch Glücksspiel erwirtschaftet,
den Rest steuern Restaurants, Kur-Hotels,
Shows und Nachtclubs bei. Und dort wird
die Flaute spürbar.
Die
Aktien des Hotelkonzerns Mirage und des
Casinobetreibers Las Vegas Sands stürzten
seit November um etwa 40 Prozent. Marketingexperten
arbeiten unter Hochdruck an neuen Einnahmequellen.
Hilfe versprechen sie sich ausgerechnet
von der Rekordschwäche des Dollar,
denn für Touristen etwa aus dem währungsstarken
Euro-Raum wird Las Vegas zum Billigziel.
"Junggesellenpartys sind inzwischen
der absolute Hit bei angehenden Ehemännern
aus Australien oder Großbritannien",
sagt Tourismus-Experte Robert LaFleur vom
Finanzanalysten Susquehanna Financial Services.
Mit
dieser Strategie bleiben sich die findigen
Unternehmer der Stadt treu: Wenn alte Märkte
austrocknen, werden schnell neue erschlossen.
In der Rezession von 2001 etwa warb die
Stadt in aggressiven Kampagnen gezielt und
erfolgreich um Lateinamerikaner, Afroamerikaner
und Homosexuelle.
Die
Touristen jedenfalls freuen sich über
die neue Schnäppchen-Zeit: Das komfortable
Hotel "Mirage" etwa bietet Zimmer
für weniger als 50 Euro pro Nacht an,
die Shows am "Strip" verschleudern
Karten zum halben Preis. Schließlich
müssen in der Stadt gut 136 000 Hotelzimmer
gefüllt werden.
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